Berlin, Erfurt, Essen – in den vergangenen Wochen haben sich faschistische und rechte Angriffe auf Menschen, die als links wahrgenommen werden, gehäuft. Selbst bürgerliche Medien berichten 2025 von einem deutlichen Anstieg rechter Gewalt. Das alles sind aber keine Einzelfälle. Sie sind Ausdruck eines politischen Rechtsrucks, der seit Jahren zunimmt und der auf der Straße längst angekommen ist.
Angriffe auf Jugendzentren und linke Räume, Kampfsporttraining in unseren Parks, faschistische Aufmärsche, ein professionell ausgebauter Social-Media-Auftritt, rechte Gruppen vernetzen sich, sie organisieren sich und die jüngsten Angriffe zeigen, wohin das führen kann. Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, werden offen angegriffen. Und auch an unseren Unis versuchen Faschos immer mehr Fuß zu fassen; rechte Lesekreise, organisierte Faschogruppen die Flyer verteilen, rechte Stickerdie. Die AfD in Sachsen-Anhalt fordert dazu gleich auch noch die Abschaffung der Studierendenräte und hetzt gegen fortschrittliche Studierende und die 68-er Bewegung.
Gleichzeitig inszenieren sich Politker der bürgerlichen Parteien auf Anti-AfD-Protesten als klar antifaschistischer Gegenpol – während sie den Rechtsruck mittragen und ausbauen. Schärfere Asylgesetze, Sozialabbau, Militarisierung, Unterstützung eines Völkermordes- all das zeigt: ihr Antifaschismus bleibt bei moralischen Gesten und hohlen Statements stehen, ein konsequenter Antifaschismus sieht anders aus als die Forderung der Rechten und Faschist:innen nur ein wenig schwächer umzusetzen. Denn auch trotz „den Rechten nicht die Themen überlassen“ „taktischem Wählen“ und der viel beschworenem „Brandmauer“, wächst die AfD als parlamentarischer Teil der faschistischen Bewegung weiter an.
In den USA, den Niederlanden, Ungarn sehen wir bereits, wie offen von der Regierung gegen Antifaschistinnen gehetzt wird, aber auch in Deutschland sehen wir die steigenden Repressionen gegen die antifaschistische Bewegung. Wir sehen Hausdurchsuchungen bei Antifaschist:innen. Wir sehen §129-Verfahren gegen Antifas. Wir wissen von faschistischen Chatgruppen in der Polizei. Wir wissen von Combat 18. Wir erinnern die Anschläge des NSU – und vieles mehr.
Daran sehen wir, dass dieser Staat nicht auf unserer Seite steht.
Esther Bejarano, KZ-Überlebende und Antifaschistin, hat es deutlich gesagt: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen.“ Diese Aussage ist so aktuell wie je – denn noch heute wird konsequenter Antifaschismus kriminalisiert und hinter Gitter gebracht. Maja ,Zaid, Gino, Hannah – wer konsequent gegen Faschos einsteht wird in dieser Gesellschaft zu Terroristen denunziert.
Der Faschismus lässt sich aber nicht mit leichten moralischen Standpauken wegreden. Er lässt sich auch nicht nicht alle vier Jahre mit einem Kreuz abwählen. Faschismus hängt mit dem Kapitalismus zusammen, er ist die reaktionärste und brutalste Gegenbewegung zur revolutionäre Bewegung, egal wie er sich zu geben scheint, Kapitalinteressen, Profitlogik und Unterdrückung sind der Kern. Das bedeutet, dass unser Antifaschismus nicht dabei stehen bleiben kann, Forderungen an Parteien zu appellieren, zum AfD-Parteitag zu fahren, danach nach Hause zu gehen und auf den nächsten zu warten. Oder ein bisschen gegen die AFD zu tanzen, oder die Faschos als dumm und peinlich zu skandalisieren.
Wir brauchen einen konsequenten Antifaschismus, der den Kapitalismus als Wurzel des Faschismus versteht und diesen bekämpft, der heute organisiert und in Solidarität dem Faschismus etwas entgegensetzen kann. Einen Antifaschismus, der sich eben nicht aufs Parlament verlässt und weitere Einschnitte in unserem Leben hinnimmt wie die steigenden Mieten, kein Bafög mehr, höheren Studiengebühren und Mensapreise, weggekürzte Studiengänge und Perspektivlosigkeit.
Dieser Antifaschismus muss antikapitalistisch geführt werden, verbunden mit dem konkreten Kampf, nach einer besseren Zukunft.
Wir müssen uns organisieren, überall da wo wir sind, wo wir leben, wo wir studieren und arbeiten. Wir wollen die Perspektive aufzeigen, für die es sich lohnt zu kämpfen: eine sozialistische Gesellschaft, in der der Faschismus ein für alle Mal auf dem Müllhaufen der Geschichte landet.



