Psychotherapie in Gefahr – Aktionstag 13.08.

Ihre Krisen nicht auf unserem Rücken!
Psychische Krankheiten als Teil des Systems – Kampf den Kürzungen als Teil unseres Widerstands!

Die Welt in der wir leben beeinflusst uns als Menschen und unser Empfinden, Denken und Handeln. So ist es kein Wunder, dass psychische Krankheiten in einem kapitalistisch-patriarchalen System zunehmen, vor allem in Zeiten von Krieg und Krise. Psychische Belastungen sind auf einem neuen Höchststand unter jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren.

Auch als Studierende plagen uns immer größere Sorgen, nicht nur die generelle Angst vor einer unsicheren Zukunft, Krieg oder dem steigenden Rechtsruck. 36% der Studierenden in Deutschland sind von Armut betroffen. Armut und psychische Krankheiten stehen in einer wechselwirkenden Beziehung zueinander, und die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. In diesen unsicheren Zeiten wird jedoch noch mehr Last auf unseren Rücken gepackt. Das drückt sich in den Kürzungen im Gesundheitsbereich aus.

Was ist passiert? Und was bedeuten die Kürzungen?

Die Bundesregierung hat das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz auf den Weg gebracht. Der Grund: Die Krankenkassen sind pleite. Statt das Geld z.B. über höhere Beiträge der Reichen einzubringen, wird gespart – vor allem bei der Gesundheitsversorgung.

Schon vor dem eigentlichen Gesetz wurde entschieden, die Bezahlung für Psychotherapeut:innen ab April 2026 um 4,5 % zu senken. Das heißt: Für die gleiche Arbeit bekommen Praxen weniger Geld. Ein Gericht hat diese konkrete Kürzung inzwischen vorläufig gestoppt – aber nur für 2026, das grundsätzliche Problem bleibt.

Jetzt aber der noch viel größere Einschnitt: Die Rückkehr zur Budgetierung. Einfach gesagt heißt das, dass es nur noch einen festen Geldtopf (morbiditätsbedingte Gesamtvergütung) pro Jahr für alle Behandlungen gibt, unabhängig davon, wie viele Menschen tatsächlich Hilfe brauchen. Ist der Topf leer, wird nicht mehr zusätzlich bezahlt. Es wird dann keine Termine mehr für gesetzlich Versicherte geben. Es massiver Einschnitt in die psychotherapeutische Versorgung, der direkte Folgen hat. Zum einen wird mit einem Rückgang der Behandlungsplätze um ein Viertel gerechnet. Statt 30 Patient:innen pro Woche dürfen nur noch 18 behandelt werden. 12 Termine pro Woche, entsprechen mehr als 500 Terminen pro Jahr, in einer Praxis alleine, die gestrichen werden. Unzählige Menschen denen das Recht auf Behandlung genommen wird.

Bei Menschen mit Leiden & Beeinträchtigungen steigt so das Risiko für eine dauerhafte Aufrechterhaltung oder auch Verschlimmerung des Zustands. Noch weniger verständlich wird der Entschluss, wenn man in Betracht zieht, dass das System schon vorher deutlich überlastet war. Aktuell liegen die Wartezeiten für einen Therapieplatz bei durchschnittlich einem halben Jahr, teilweise bis zu 2 Jahren.

Wie lange sollen wir in Zukunft warten? Warten ist hierbei auch nicht der treffende Begriff. Warten bedeutet jeden Tag aufzustehen mit einer Last, die niemand professionell mit einem tragen kann. Beim Warten, zerbrechen Partnerschaften, zerfallen Familien, verlieren Menschen den Anschluss, ziehen sich zurück, isolieren sich oder auch: nehmen Menschen sich das Leben. All das, während die Hilfe, die das hätte verhindern können, da sein könnte.

Aber keine Angst, der Kapitalismus bietet eine Lösung: Wer sich eine Therapie privat leisten kann (Selbstzahler:in oder private Krankenversicherung), bekommt weiterhin einen Platz. Auch hier wird wieder die Verbindung von Armut und psychischen Krankheiten deutlich. Die Kürzungen treffen besonders die, die ohnehin schon benachteiligt sind. Ein weiterer Angriff auf die Arbeiter:innenklasse.

Nach 10 Jahren Ausbildung stehen Therapeut:innen nun vor einer bitteren Wahl.

1. Das Betreiben einer Praxis mit Kassensitz, bei dem das Absagen von Menschen größerer Inhalt des Berufs wird als das Helfen von Menschen. Außerdem werden diese Praxen nicht mehr kostendeckend arbeiten können.

2. Der Wechsel zu einer Privatpraxis, bei der Therapeut:innen selbst entscheiden können, wie viele Patient:innen sie behandeln, ohne an Kassensitz-Vorgaben oder Kontingente gebunden zu sein. Eine Entscheidung, die aus wirtschaftlichen Druck entsteht und dazu führt, dass Menschen die nicht selber zahlen können, hier keine Hilfe mehr erhalten können. Auch alle Psychologiestudent:innen stehen gerade vor großen Fragen und Sorgen.

Sozialabbau und Kriegsvorbereitungen

Doch dieser Sozialabbau passiert nicht im luftleeren Raum: Sie sind direkte Folgen der imperialistischen Politik. Weltweit rüsten Staaten auf und es entstehen immer mehr Brandherde, wie in der Ukraine, Palästina, Iran usw.

Als hätten wir nicht sowieso im Kapitalismus schon niedrige Lebensstandards und genug Probleme, führt die massiv gestiegene Militarisierung zu noch mehr Kürzungen, auch in der Bildung und im Sozialem. Die Entscheidungen werden nicht in unserem Interesse getroffen, und dann auch noch auf unseren Rücken abgewälzt.

Bei jedem neuen Angriff gilt es eine Antwort zu geben und das nicht hinzunehmen. Es bedeutet sich auch sich langfristig gegen ein System zu organisieren, welches nicht nach unseren Interessen handelt.

Deshalb rufen wir auf, am 13.08. auf die Straße zu gehen, gegen die Kürzungen in Gesundheit, Psychotherapie und gegen ein System, das uns krank macht!